25.09.2020 / Allgemein / /

Ungeduld zahlt sich nicht aus

Nehmen wir an, Sie besitzen ein in die Jahre gekommenes Haus und möchten dieses energetisch verbessern. Dazu planen Sie das Dach und die Fassade neu zu dämmen und die alte Ölheizung durch eine umweltfreundlichere Wärmepumpe zu ersetzen. Das Gebäudeprogramm von Bund und Kanton unterstützt Sie dabei mit Beitragszahlungen. Dazu müssen Sie aber zuerst die Gebäudehülle dämmen und dürfen erst danach die neue Heizung installieren. Sollten Sie sich nicht an diese Bedingung halten, erlischt Ihr Anspruch auf Direktzahlungen. Was denken Sie? Würden Sie den vorgegeben Bauablauf einhalten und den Zustupf einheimsen oder verzichten Sie darauf und setzen alles gleichzeitig um? Logisch; auch ich würde den Zeitplan einhalten, umso in den Genuss der Fördergelder zu kommen.

Sinngemäss befasste sich das Gemeindeparlament vor seiner Sommerpause mit genau dieser Frage. Der Stadtrat wollte zur Sicherung von Bundesbeiträgen die Attraktivierung Ländiweg in zwei Etappen aufteilen. In einer ersten Phase wäre demzufolge 2021, im Zuge der neuen Stützmauer Bahnhofquai, die Sicherheit und Aufenthaltsqualität am Ländiweg mit einfachen Massnahmen erhöht worden. Danach wäre dieser ab 2024 in einer zweiten, beitragsberechtigten Phase auf eine 7m breite, für den Fuss- und Radverkehr attraktive Uferzone mit Schwimmplattform ausgebaut worden. Die Zwei-Phasen-Strategie ist nötig, weil der Bund ohne Einhaltung der Fristen (Baubeginn Phase 2 zwingend 2024-2027) keine Beiträge auszahlt. Leider war die Ungeduld hinsichtlich eines rechten Aareufers mit hoher Aufenthaltsqualität zu gross. Trotz Gegenwehr aller bürgerlichen Parteien, verzichtet das Gemeindeparlament mit einer knappen Mehrheit auf die Bundesbeiträge und schickte die vom Stadtrat geplante Etappierung in die Wüste. Dadurch werden die Oltner Steuerzahler für das 3-Millionen-Projekt voraussichtlich eine halbe Million mehr bezahlen müssen. Den Befürwortern war das egal. Hauptsache Ländiweg Jetzt. Bleibt zu hoffen, dass aus Fehlern gelernt wird.

Beat Felber, CVP Olten