17.10.2011 / Allgemein / /

ANDAARE: Ja für ein schöneres „Wohnzimmer“ (Leserbrief)

Obwohl unsere Aare per Definition die Grenze zwischen den beiden Stadtseiten bildet, ist nicht sie es, welche Olten in eine linke und rechte Seite trennt, sondern der breite Gleisstrang der Eisenbahn. Unsere wahren Nadelöhre sind nicht die Brücken, sondern die Unterführungen, welche die Vielzahl der Gleise im Bereich des Bahnhofs unterqueren. Die Aare hingegen verbindet. Sie ist unser einzige innerstädtische Freiraum. Es gibt wohl keinen schöneren Ort, um den Reiz von Olten und seiner Altstadt zu erleben. Die Altstadt Oltens, prägnant auf ihrem Felssitz mit ihrer alten Brücke, lässt sich ja erst dank des unüberbaubaren Flussraumes in der angemessenen Distanz des gegenüberliegenden Ufers richtig wahrnehmen. An der Aare schauen wir uns das 1. August-Feuerwerk an, wir beobachten die Kanuten, wie sie sich gegen den Strom bewegen oder schwimmen selbst darin. Es ist das Schönste, was unsere Stadt heute zu bieten hat – sozusagen unser Wohnzimmer.

Das Projekt Andaare will nichts anderes, als diesen städtischen Raum aufwerten und für uns alle attraktiver machen. Für unser Wohnzimmer zuhause leisten wir uns ja auch hin und wieder bequeme Möbel oder ein schönes Bild. Mit Andaare wird es möglich, in breiten Sitzstufen direkt am Wasser zu sitzen und den Schwänen und Enten zuzusehen. Neu können wir das ganze Jahr unseren Feierabend in einem neuen Aarebistro mit Blick auf Altstadt und alte Brücke geniessen und neu werden wir auf einem schmalen Steg direkt über dem Wasser unsere Aare und unsere Stadt aus einer völlig neuen Perspektive wahrnehmen können.

Viel zu teuer sagen die einen. Falsch: Wenn wir gemäss Abstimmungsbotschaft die Reserven von 20% und die Subventionen des Kantons, des Bundes und die Beiträge Dritter abziehen, kostet uns Oltner Andaare mit Steg nur ca. 15.7 Mio. CHF. Es darf dabei gar davon ausgegangen werden, dass uns der Steg nur mit rund 1 Mio. CHF zu Buche schlägt, da damit gerechnet wird, dass der Agglomerations-fonds des Bundes bei einem “ Ja zum Steg“ zusätzliche Beiträge übernimmt. Da heisst es doch zugreifen und diese Gelegenheit wahrnehmen. So günstig erhalten wir eine solch umfassende Aufwertung des Aareraumes nie mehr.

Aber dieser Steg konkurrenziert uns die alte Brücke, sagen die andern. Kaum: Es wird wohl niemand aus dem ganzen Kleinholz und künftigen Bornfeld den steilen Aufstieg die Mühlegasse hinauf auf sich nehmen, wenn man wie bisher über den Salzhüsliweg und die alte Brücke ohne grössere Niveaudifferenzen zum Bahnhof gelangen kann. Der Steg dient vor allem Personen aus der Innenstadt, welche heute auf dem Weg zum Bahnhof zu einem grossen Teil die Bahnhofsbrücke benutzen und sich bei dem dichten Veloverkehr auf dem Brückentrottoir auf einem separaten Steg endlich in Sicherheit fühlen können.

Der Steg ist das Prunkstück unseres neuen Wohnzimmers und zugegeben auch ein bisschen Luxus. Doch würde er dank seiner herausragenden ingenieurtechnischen Spannkonstruktion, die vielge-priesene Aufbruchsstimmung Oltens endlich für alle sichtbar machen.

Jetzt ist der Zeitpunkt für ein klares Ja zu Olten, ein Ja zu Andaare – mit Steg.

Thomas Pfluger, Gemeinderat CVP